Festival Sempach: Winkelried - Ein Gedenken, drei Konzerte

 

L.v. Beethovens "Grosse Fuge" & F. Hölderlin "Nachtgesänge"

Beginn
Freitag 01. Juli 2022, 19h00
www
www.festival-sempach.ch
Ort/Lokal
Ref. Kirchenzentrum Sempach
Details
Ludwig van Beethoven, Grosse Fuge op. 133; Friedrich Hölderlin, Nachtgesänge 1804.
Neu arrangiert von Matthias Arter; Konzeption: Boris Previšić; Textperformanz: Michael Engelhardt; Musik: pre-art soloists (Boris Previšić, Flöte; Matthias Arter, Oboe; Azra Ramić, Klarinette; Rahel Cunz, Violine; Lea Boesch, Viola; Ekachei Maskulrat, Cello; Aleksander Gabryś, Kontrabass)

Die Wucht und Dichte beider Werke entblättert sich in ihrem Zusammenklang leichtfüssig und formvollendet. Beethoven und Hölderlin waren in ihrer Zeit absolute Ausnahmeerscheinungen, die den Mikro- und Makrokosmos von Sprache und Musik in jeder Skizze und in jeder Überarbeitung von Neuem ausloten und die den Ausdruck und den Aufstand in jeder Silbe und in jeder Note proben und realisieren. Bedingungsloses Hören bedeutet verstehen. Jetzt eröffnen sich neue Klänge in ihren Positionen; Kleinfiguren, weite Bögen der Syntax, rhythmische Frechheiten, Assoziationen, innerste Verbindungen blitzen und schwingen. Es möge entstehen ein Vollbad in Hingabe zu Klang und Sprache, eine sinnlich-intellektuale Extase im ästhetischen Schallraum. Wie höre ich neu? Indem ich mich überraschen lasse. Oder wie es im Französischen so schön heisst: Etre à l'écoute.

In Sempach entsteht ein neues Festival für Musik und Sprache. Zeitgleich zum Gedenken der Schlacht von Sempach, immer am ersten Wochenende im Juli. Dieses Jahr werden drei Konzerte aufgeführt, am 1. und am 2. Juli 2022. Mit Polina Leschenko, Aleksander Gabryś, Matthias Arter und pre-art soloists, sowie derm Initiator Michael Engelhardt. Der Eintritt ist frei, finanziert werden Kosten und Honorare durch Spenden und Kollekten. Auf dem Festival-Programm stehen zwei Uraufführungen und ein Programm mit Melodramen.

Das neue Arrangement von Matthias Arter (*1964) erweitert Beethovens Streichquartett op. 133, die “Grosse Fuge”, um drei weitere Instrumente, Oboe, Klarinette und Flöte, und wird verfugt mit den neun letzten autorisierten Gedichten von Friedrich Hölderlin (1770-1843), den “Nachtgesängen”. Ursprünglich eine Auftragsarbeit zum Lucerne Festival 2020, wird dieses Programm nun, zwei Jahre später, nicht nur in Sempach, sondern auch am 29. Juni in Biel (Farel-Haus), am 30. Juni in Zürich (Kunstraum Walcheturm) und am 3. Juli in Basel (Musik- und Kulturzentrum Don Bosco) gegeben.
Robert Schumann und Franz Liszt fügten Kompositionen für Pianoforte mit gesprochenen Balladen zusammen. Diese Kunstform erlangte gegen Ende des 19. Jhdt. eine grosse Popularität. Die Gedichte, welche Schumann und Liszt zur Textgrundlage ihrer Kompositionen machten, sind naturmystische Balladen, voll Dynamik, schauerlichen Geschichten und numinosen Begegnungen, das Göttliche wird furchteinflössend und lockend zugleich.
Zum Abschluss des Festivals ein weiteres Mal Hölderlin mit einer weiteren Uraufführung. Die drei grossen Elegien (Heimkunft, Die Nacht und Herbstfeier), entstanden um 1800 und wurden von Hölderlin einige Jahre später überarbeitet und handschriftlich an den Anfang des gross angelegten “Homburger Folioheftes” gestellt. Diese sogenannten “revisionierten” Elegien wurden bisher noch nicht öffentlich vorgetragen. Dazu spielt, improvisierend, begleitend, kommentierend und überraschend, der samtweiche und brachiale Kontrabass von Aleksander Gabryś.
Konzert
Konzert Klassik